Psalmen im Gottesdienst singen

Wie es am besten gelingt. Was zu bedenken ist.

Das Psalmensingen im Gottesdienst ist und bleibt eine Herausforderung, aber Üben hilft. Der erste Schritt ist, dass man wirklich in jedem Gottesdienst mindestens einen Psalm singt.

Für die Organistin / den Organisten ist wichtig, dass sie /er wenigstens innerlich mitsingt, um das richtige Tempo zu haben.

A capella mit 2-3 sicheren SängerInnen klingen die Psalmen auch sehr gut - oder mit Klarinettenbegleitung.

Empfehlungen für das Erlernen von fremden Hugenottenpsalmmelodien:

1. Es gibt keine Taktstriche. Also innerlich keinen Takt fühlen, auch nicht suchen (!), sondern immer die Psalmentexte erzählend singen.

2. Fast jede Notenzeile beginnt mit einer halben Note, d.h alle haben Zeit, mit einzustimmen, jede Zeile ist melodisch einladend!

3. Jede Zeile wird so schnell (eher zu schnell als zu langsam) gesungen, dass man sie mit einem Atemzug locker hinbekommt.

4. Die Pause bis zur nächsten Zeile darf "unkonkret" und lang sein. Das erinnert etwas an das Psalmodieren, das ja bewußt die Besinnungspausen einhält.

5. Beim separaten Einstudieren von Psalmen (z.B. vor dem Gottesdienst oder in einer Chorprobe) empfiehlt es sich, die Melodie ohne Text ersteinmal übertrieben schnell auf NA-NA-NA-NA einzustudieren, die Melodie merkt sich dann leichter. AUSPROBIEREN, es stimmt! Manche Melodien klingen dann wie ein mittelalterliches Tanzthema und werden zu angenehmen Ohrwürmer.

5. Darauf hinweisen, wenn sich innerhalb eines Psalms die Melodie in zwei Zeilen wiederholt, bei ganz unbekannten Psalmen ist das erholsam.

6. auf den Einwand: das ist alles zu schwer, die fremde Melodie und dann noch so ein ungewöhnlicher Text und manchmal ist die Text-Notenverteilung so schräg und unstimmig, unsingbar...! Da versuchts doch mal auf französisch, wenigstens von der Platte sich anhören, es klingt harmonischer.

7. Für Anfänger ist auch der Hinweis wichtig, dass einige Hugenottenpsalmmelodien ja mitten im EG stehen, also doch recht bekannt sind. Die Psalmen aufzählen: 271, 279, 281, 282, 290, 294, 300, 301 u.v.a.m.

8. Auch der Hinweis: um 1700 ware der Genfer Psalter das in Europa am meisten verbreitetste evangelische Gesangbuch, hat einige neugierig gemacht.

9. Wir singen im Stehen, das ist gerade bei langen Psalmen besonders gut, man hat mehr Luft.

10. Für Notenkundige, die einen Psalm zum ersten Mal singen, drucken wir manchmal die Strophentexte direkt unter den Noten aus, dann ist es leichter, in der Melodie zu bleiben. Die CD zum Gesangbuch macht's möglich.


Hildegard Rugenstein, Pastorin in Potsdam
In Potsdam haben insbesondere junge Gemeindemitglieder die Psalmen neu entdeckt.

Pastorin Hildegard Rugenstein beschreibt, wie in ihrer Gemeinde die Texte erarbeitet und die Melodien geübt werden und wie der Psalmengesang zu einem Instrument des Gemeindeaufbaus wurde.
''Darum, wenn wir gut hier und da gesucht haben, finden wir keine besseren noch geeigneteren Gesänge als die Psalmen Davids'' (Johannes Calvin)

Die Reformatoren wollten – anders als in der katholischen Messe üblich – die Gemeinde der Gläubigen während des Gottesdienstes singen lassen. Dazu griffen sie auf die biblischen Psalmen zurück. Nachgedichtet und vertont wurden die alten Gebete zu populären Liedern - und sind mittlerweile z.T. im world wide web zu hören.