Welchen Grundton hat Calvins Theologie?

Johannes Calvin durch die Brille von Theologinnen und Theologen des 21. Jahrhunderts - Eine Sammlung von Zitaten

©Andreas Olbrich

Zeitgenössische CalvinforscherInnen über: Gotteserkenntnis und Menschlichkeit, die Symphonie von Gott und Mensch, die Heiligung, die Ethik, das lebenslange Lernen in der Schule Gottes, die Liebe zum politischen Israel, das Ringen zwischen gläubigem Vertrauen und schreiendem Warum ...

Der Anfang einer Sammlung von Zitaten 

Gotteserkenntnis und Menschlichkeit
Symphonie von Gott und Mensch
„Wir sind Gottes Eigentum“
Engagierte Sorge um die Gemeinde
Die Heiligung als Leitbegriff, oder: der Ethiker Calvin
Gottes Wort betrifft den Menschen
Lebenslanges Lernen
Theologische Grundlegung der Religionsfreiheit
Gottes eigenes Reden zu Gehör bringen
Der moderne Calvin
Jeder Mensch hat es jeden Moment seines Lebens mit dem lebendigen Gott zu tun
Das Alte Testament der christlichen Kirche neu vermittelt
Maß halten!
Von Gott zu Gott hin
Calvins Ringen in den Paradoxa zwischen Himmel und Erde
Die Prädestination ist nicht das prägende Thema
Die Spiritualität des Politischen – oder: die Verzweiflung durchbrechen
Calvins ganze Liebe galt dem „politischen Gebilde“ Israels
Ein juristisch geschulter Blick prägt die Theologie

Gotteserkenntnis und Menschlichkeit

„In Jeremia 22,16 heißt es über das Wirken eines Königs in Israel: „Den Elenden und Armen verhalf er zum Recht. Heißt das nicht, mich erkennen? Spricht der Herr.“ Der Genfer Reformator Johannes Calvin sagt in seiner Auslegung dieser Passage: „Ubi cognoscitur Deus, etiam colitur humanitas“ (CO 38, 388) – zu Deutsch: „Wo Gott erkannt wird, da wird Menschlichkeit gepflegt.“ Man darf in diesem Satz eine Zusammenfassung der Theologie Calvins sehen.“
Eberhard Busch, Gotteserkenntnis und Menschlichkeit. Einsichten in die Theologie Johannes Calvins, Zürich, 2. Aufl. 2006, 9

Symphonie von Gott und Mensch

„Der Mensch, der – wie Calvin die paulinische Brüskierung der Weisheit in 1 Kor 1,20 illustriert – ohne die Weisheit Christi zur Erkenntnis Gottes geeignet ist wie ein Esel zur Symphonie und durch seine Sünde nur das Lied der Engel stört, wird durch das Heilswirken Gottes wieder musikalisch. Wieder, denn auch nach Calvin ist bereits die Schöpfungsordnung als Symphonie komponiert. Die christologische Schöpfungsmittlerschaft ermöglicht die Harmonie von Himmel und Erde, die auch Ziel des Versöhnungsgeschehens ist. Dabei wendet Calvin seine Aufmerksamkeit oftmals auf den Zusammenklang, der auf seiten der Geschöpfe herrschen muß: das im Gehorsam an Gott begründete engelgleiche Zusammensingen aller Kreaturen, die aus verschiedenen Tönen bestehende Melodie der Kirche, die Symphonie von Engeln und Menschen. Doch dieses Konzert der Geschöpfe, welches aus dem Gehorsam an Gott und zu seinem Lobpreis entsteht, vollendet sich als Symphonie von Gott und Schöpfung.
So bildet nach Auffassung Calvins der Anruf Gottes, der sich treu bleibt und seinen Anruf nicht bereut, zusammen mit dem dank des Geistwirkens nicht mehr wankenden Glauben eine Symphonie.“
Eva-Maria Faber, Symphonie von Gott und Mensch. Die Responsorische Struktur von Vermittlung in der Theologie Johannes Calvins, Neukirchen-Vluyn 199, 466f (dort mit Anm.)

„Wir sind Gottes Eigentum“

„Calvin zu lesen heißt: sich ihm so zu nähern, wie er selbst verstanden werden will – als biblisch denkender Theologe mit Aufmerksamkeit für die Lebenssituationen der Menschen. Inmitten des Facettenreichtums seiner Texte tritt immer wieder ein Grundgedanke zu Tage: „Wir sind nicht unsere eigenen Herren. Wir sind Gottes Eigentum“ (Inst. III,7,1). Dieser sich an Paulus orientierende Grund-Satz nimmt sowohl Gottes Wahl des Menschen aufgrund seiner Güte als auch die Inanspruchnahme des Menschen für ein Leben nach Gottes Gebot in den Blick. Gott im Leben und im Sterben anzugehören, bedeutet nach Calvin konkret, in der Gemeinschaft mit Jesus Christus zu leben und sich mit anderen zu seiner Gemeinde zu versammeln.“
Matthias Freudenberg, Georg Plasger (Hg.), Calvin–Lesebuch, Neukirchen-Vluyn 2008, 5

Engagierte Sorge um die Gemeinde

„Eine Theologie, die wie die Calvins ihr Profil in der Zeit aktueller Verfolgung ihrer Anhänger gewinnt, die zur Scheidung von Lüge und Wahrheit aufruft und den Preis des von ihr geforderten Bekennens kennt, die angesichts der beginnenden Gegenreformation dem neuen Glauben das intellektuelle Rüstzeug im Streit mit der römischen Kirche bereitstellt und doch an der unvermeidlichen Kirchenspaltung wie an einer Ehescheidung leidet: eine solche Theologie kann ihren Zeitbezug nicht verleugnen. Auch wenn sie wie kaum eine zweite von der Schärfe des Arguments lebt, spürt man ihr die engagierte Sorge um die Integrität der Gemeinden ab, für die sie sich verantwortlich weiß.“
Christian Link, Jesus Christus an die erste Stelle unseres Denkens und Handelns stellen, PDF auf www.calvin09.org

Die Heiligung als Leitbegriff, oder: der Ethiker Calvin

„Wenn es einen Leit- und Grundbegriff seiner Theologie gibt, eine Achse, um die sich - wie in Wittenberg um die Rechtfertigung - alle Gedankengänge und Themen bewegen, so ist es das breit entfaltete Motiv der Heiligung. Das christliche Leben - so könnte man diesen neuen Akzent beschreiben - kommt nicht schon in der Übereignung einer neuen Gerechtigkeit zu seinem Ziel, sondern erst in der Bewährung dieser Gerechtigkeit in den Konfliktfeldern der Gesellschaft. Mit der entschiedenen Zuwendung zu den Problemen der Welt, urteilt Karl Barth, hat "Calvin und nicht Luther die Reformation welt- und geschichtsfähig gemacht. ... Er war der Schöpfer einer neuen christlichen Soziologie, die so geformt war, daß sie sich mit den anderweitigen Gesellschaftsprinzipien der durch die Renaissance inaugurierten Neuzeit in fruchtbarer Weise auseinandersetzen, ja an ihrer Hervorbringung und Gestaltung entscheidenden Anteil nehmen konnte." (Theol. Calvins, 121)“
Christian Link, Calvin zwischen Humanismus und Jüngerschaft, PDF auf www.calvin09.org

Gottes Wort betrifft den Menschen

„nicht in seinem Wort-Gottes-Sein, sondern als den Menschen belehrendes und damit zugleich betreffendes und ihn einbeziehendes , etwas über ihn und zu ihm sagendes Wort in den Blick“
Peter Opitz, Calvins theologische Hermeneutik, Neukirchen-Vluyn 1994,106

Lebenslanges Lernen

„In seinem Genfer Katechismus fragt Calvin: „Genügt es für den Christen, einmal durch den Pfarrer unterwiesen worden zu sein, oder muss man damit während des ganzen Lebens fortfahren?“ Und seine Antwort lautet: „Anfangen ist zu wenig, wenn man nicht beharrlich dabei bleibt; denn wir sollen bis zum Ende, ja, ohne Ende Christi Jünger sein. Er hat darum den Dienern der Kirche dieses Amt übergeben, an seiner Stelle und in seinem Namen zu lehren.“ (Abschnitt 380)
Das macht deutlich, dass Calvin das lebenslange Lernen aus der und in der Heiligen Schrift, eben die Lehre, für ein unverzichtbares Merkmal, ja, wie Calvin an anderer Stelle schreibt, sogar für das einigende Band der Kirche hält. In seinem ganzen Wirken hat sich Calvin dieser Aufgabe verpflichtet gewusst […]“
Georg Plasger, Johannes Calvins Theologie – Eine Einführung, Göttingen 2008, 5

Theologische Grundlegung der Religionsfreiheit

„Wenn es einen Schlüsselbegriff oder einen Generalnenner für Calvins Theologie gibt, so ist es sicher nicht eine kühle Betonung der Souveränität Gottes oder gar der Prädestinationslehre – wie man früher oft meinte und noch heute nicht selten hört –, sondern es ist etwas ganz Funktionales: die Heiligung, das praktische Funktionieren christlicher Existenz und wahren Gottesdienstes. Die dabei beteiligten Menschen sind sehr wichtig genommen. Die spätren Calvinisten haben hier mit Recht die theologische Grundlegung ihrer geforderten Religionsfreiheit gesehen (…)“
Dietrich Ritschl, Der Beitrag des Calvinismus für die Entwicklung des Menschenrechtsgedankens in Europa und Nordamerika (1979), in: ders.: Konzepte. Ökumene, Medizin, Ethik. Gesammelte Aufsätze, München 1986, 311

Gottes eigenes Reden zu Gehör bringen

„Aus der Predigt [Calvins] über Dtn 4,1-2: „Denn heute, der Grundartikel, von dem die Christenheit beunruhigt ist, welches ist es? Wir bitten, dass man Gott reden hört und dass man darüber keine Lehre empfängt, die nach dem Verlangen der Menschen geschmiedet ist. Sondern dass die Welt sich Gott unterwirft, dass die Heilige Schrift gehalten wird wie eine Lehre der Vollendung, dass wir erkennen, dass sie die Wahrheit Gottes ist, zu der hin unser ganzes Leben geregelt werden muss, dass man weder etwas hinzufügt oder wegnimmt.“ [CO 26, 108f.]
In diesem Satz aus der Predigt über Dtn 4,1-2 kommt das theologische Anliegen Calvins konzentriert zum Ausdruck: Entscheidend ist nicht in erster Linie die Frage der rechten Lehre über Gott, sondern Gottes eigenes Reden ist angemessen wiederzugeben und bei den Menschen zu Gehör zu bringen.“
Albrecht Thiel, In der Schule Gottes. Die Ethik Calvins im Spiegel seiner Predigten über das Deuteronomium, Neukirchen-Vluyn 1999, 11f.

Der moderne Calvin

„Darin ist Calvin „modern“, dass er nach dem fragt, was die Botschaft für den Menschen austrägt. Seine Antwort: Sie gibt dem Menschen in seiner Existenz eine Mitte und ein Ziel.
Albrecht Thiel, In der Schule Gottes. Die Ethik Calvins im Spiegel seiner Predigten über das Deuteronomium, Neukirchen-Vluyn 1999, 15

Jeder Mensch hat es jeden Moment seines Lebens mit dem lebendigen Gott zu tun

„… das Zentralthema der Theologie Calvins, das alles zusammenhält, ist die Überzeugung, dass jedes menschliche Lebewesen es in jedem Moment mit dem lebendigen Gott zu tun hat.“
John H. Leith (1992); nach Thiel, In der Schule Gottes, 16

Das Alte Testament der christlichen Kirche neu vermittelt

„Calvin kommt das Verdienst zu, das alttestamentliche Denken der christlichen Kirche neu vermittelt zu haben. Die Erdgebundenheit Israels und die Abhängigkeit des Menschen vom Schöpfer sind tragende Pfeiler seiner Theologie und Praxis.“
Lukas Vischer, 26. September 2007

Maß halten!

„Calvin ruft den Menschen von heute dazu auf, zu den Maßen zurückzufinden, die Gott dem Menschen gesetzt hat.“

Lukas Vischer: http://www.calvin09.org/media/pdf/theo/070905_Vischer_Sch-pfung_D.pdf

Von Gott zu Gott hin

„Die jahrelange Suche nach dem zentralen Lehrsatz in Calvins Theologie hat noch immer nichts ergeben. Der Grund dafür könnte bereits darin liegen, dass Calvins Theologie einfach Theologie ist. Damit meine ich, dass es in Calvins gesamter Theologie und in allen ihren Teilen fortwährend um Gott geht. Alle Themen in Calvins Denken werden von Gott aus und im Hinblick auf Gott erörtert.“
Herman J. Selderhuis, Gott in der Mitte. Calvins Theologie der Psalmen, Leipzig 2004, 11f.

Calvins Ringen in den Paradoxa zwischen Himmel und Erde

„Calvin muss zusehen, dass er mit den Paradoxa zwischen göttlichem Wort und täglicher Wirklichkeit lebt, zwischen Gottes ordo und weltweitem Chaos, zwischen himmlischer Ruhe und innerer Unruhe, zwischen Gottes Barmherzigkeit und Gottes Zorn, zwischen der göttlichen Verheißung der Rettung und der menschlichen Erfahrung von Elend, zwischen Gottes praesentia realis und Gottes Verborgenheit, zwischen gläubigem Vertrauen und schreienden Warums. Dieses Ringen bringt Calvin näher zu Luther als zu den Calvinisten. Dieses Ringen bringt Calvin auch näher zu dem Menschen von heute.“
Herman J. Selderhuis, Gott in der Mitte. Calvins Theologie der Psalmen, Leipzig 2004, 278

Die Prädestination ist nicht das prägende Thema

"Einige Interpreten Calvins verstehen Prädestination als das prägende Thema seiner Theologie überhaupt. Aber das ist nicht richtig. Calvin hat diese Lehre zum Beispiel in seinem Katechismus, der Zusammenfassung seines theologischen Denkens für die Laien seiner Zeit, nicht einmal erwähnt. Auch in der Institutio hat er sie in keiner Weise herausgestellt. Er war davon überzeugt, dass diese Lehre wertvoll und wichtig war, sie musste aber im richtigen Kontext stehen. Diesen Kontext fand er dann in seiner letzten Ausgabe der Institutio, wo er sie an das Ende jenes Buches stellte, das sich mit der Frage "Auf welche Weise wir der Gnade Christi teilhaftig werden" beschäftigte. Damit wollte Calvin sagen, dass es sich hier nicht um eine philosophische, spekulative oder abstrakte Idee handelte, sondern schlicht um eine Lehre, die uns darin bestärkt, dass Gottes freie Gnade der ewige Grund für unser Heil ist und dass sie, um mit den Worten von John Newton zu sprechen, "mich nach Hause geleiten wird.""
Christopher Elwood, Calvin für zwischendurch, Göttingen 2007, 110f.

Die Spiritualität des Politischen – oder: die Verzweiflung durchbrechen

„Die Spiritualität des Politischen oszilliert beim reifen Calvin, dem geistigen Führer der Reformation um 1550, zwischen drei Punkten: da ist einmal die Front gegen jede wie immer geartete Zwei-Reiche-Lehre; dann das Wissen, dass politische Existenz den Menschen vor die letzte Schranke ruft. Und endlich ist ihr Ziel zu umschreiben mit Humanitas, Menschlichkeit.
[…]
Vor den persönlichen Fragen des Einzelnen so gut wie vor den schwierigen und weitreichenden politischen Entscheidungen der Fürsten und Völker heißt für Calvin die Regel christlicher Existenz in der Gesellschaft: Per mediam desperationem prorumpere convenit. Der Satz steht in der Mahnschrift Calvins an den obersten Politiker seiner Zeit, Karl V. Er könnte auch in der kurzen Instruktion an alle wahren Gläubigen stehen, die durch die Anfragen der Täufer in politische Entscheidungsschwierigkeiten kamen und bis heute kommen; denn „man muss mitten durch die Verzweiflung hindurchbrechen“! So lautet die Regel der Spiritualität Calvins in jeder schwierigen Situation.“
Hans Scholl, Der Geist der Gesetze – Die politische Dimension der Theologie Calvins dargestellt besonders an seiner Auseinandersetzung mit den Täufern, in: Calvin im Kontext der Schweizer Reformation, Zürich 2003, 93-125, hier: 95f.114

Calvins ganze Liebe galt dem „politischen Gebilde“ Israels

„Das Leben des Volkes Israel, diesem sozialen und politischen Gewebe mit den 10 Geboten und dem Gesetz, dem Geist seiner Gesetze, dem politischen Gebilde Israels überhaupt, gilt seine [Calvins] ganze Liebe und Bewunderung. In diesem organischen Geflechte kommt für ihn der Mensch zu sich selber, da erreicht er seine Identität und wird zugleich „ganz“, [Hebräisch:] „tam“ eben auch politisch, da wird er zum zoon politikon.“ […]
„Die ganze mittelalterliche Gesetzes-Exegese mit ihrer Bergpredigt-Interpretation einer Trennung von Natur und Gnade, Zehn Geboten und Evangelischen Räten, Welt und Kloster, Laien und Klerikern fällt unter das Verdikt: Interpretation an Israel vorbei, also Fehlinterpretation. In Front gegen die mittelalterliche Israelvergessenheit entwickelt Calvin (deutlicher als Luther und Zwingli, aber eventuell zusammen mit Capito), eine erste positive Israeltheologie in Ansätzen.“ […]
„In Jesus Christus […] gilt: „Was endlich die Lehre des Lebens anbelangt, so ist es, wie sie am Anfang war, auch jetzt, und sie gilt uns und dem Volk Israel gemeinsam. Denn sie verändert sich nicht. Sondern wie der Wille und die Gerechtsame Gottes unveränderlich sind, so bleibt auch das Gesetz, das ihre wahre und sicher Kundgebung darstellt, bis ans Ende, so wie es am Anfang war.“ [CO 7,96] Mit und vor dem Gesetz stehen wir mit dem Volk Israel zusammen, d.h. doch, die Israel-Theologie sagt und lehrt uns, was Obrigkeit, was Gesetz, was ein Volk ist. Nur von Israel her wird das für Christen klar. Von dort her aber gibt es ein Ja zur politischen Dimension des Lebens, ein Ja zu dieser Gabe und Aufgabe.“
Hans Scholl, Der Geist der Gesetze – Die politische Dimension der Theologie Calvins dargestellt besonders an seiner Auseinandersetzung mit den Täufern, in: Calvin im Kontext der Schweizer Reformation, Zürich 2003, 93-125, hier: 107f.115f.117

Ein juristisch geschulter Blick prägt die Theologie

Christoph Strohm sieht „elementare Anliegen des reformatorischen Wirkens Calvins durch seine rechtswissenschaftliche Ausbildung beeinflusst“ und nennt folgende Beispiele:
„Das dürfte für den im Vergleich zu Luther positiveren Gesetzesbegriff ebenso zutreffen wie für das Interesse an der lebensgestaltenden Dimension der biblischen Texte insgesamt. Das Verhältnis von Schöpfer und Geschöpf wird mit juristisch geschultem Blick beschrieben. Der Begriff der Souveränität und entsprechend auch die Souveränität Gottes beziehen sich nicht im mittelalterlichen Sinn primär auf die uneingeschränkte Richtgewalt. Vielmehr umfasst Souveränität im Sinne der frühmodernen Staatslehre gerade auch die Gesetzgebungsgewalt. Gott ist König, Richter, Gesetzgeber und Retter in einem (Inst. IV,10,7). Während für Luther die Frage nach dem gnädigen Gott entscheidend ist, hat Calvins reformatorischer Aufbruch wesentlich das Ziel, die rechte Gottesverehrung wiederherzustellen.“
Christoph Strohm, Johannes Calvin. Leben und Werk des Reformators, Verlag C.H. Beck, München 2009, 104


Barbara Schenck