Gott an seine Verheißungen erinnern

Gebete Calvins

©Andreas Olbrich

''Allmächtiger Gott! Wir sind ferne von dir auf der Pilgerschaft; so wollest du uns verleihen, dass wir dennoch, durch dein Wort unterwiesen, den rechten Weg innehalten ...''

"Allmächtiger Gott! Dieweil du heutigestags den Glauben der Deinen auf so schwere und viele Proben stellst, so schenke ihnen doch, dass du sie zugleich stärkest durch die sieghafte Kraft deines Geistes, auf dass wir unter deiner Fahne wacker streiten bis ans Ende und in allen Anfechtungen nimmermehr unterliegen. Gib, dass wir auch solchergestalt mit dem Eifer um den Bau deiner Kirche eine kluge Einsicht verbinden, auf dass ein jeglicher, je mehr Gaben ihm gegeben sind, zugleich auch um so stärker, mannhafter und eifriger sich mühen möge um die Erbauung seiner Brüder. Und ob du gleich die Zahl derer, die sich als Glieder deiner Kirche bekannt haben, lässest immer kleiner werden, so lass doch einen Samen übrigbleiben und aus diesem Samen einen um so größeren Reichtum sprießen und eine solche Fülle hervorgehen, dass dein Name aus der ganzen Erde verherrlicht werde, in Christo Jesu, unserem Herrn. Amen"
Im Anschluss an Daniel 11,34-35

"Allmächtiger Gott, da du dich herablässest und dich darum sorgst, uns all das zukommen zu lassen, was uns in diesem irdischen Leben nötig und nützlich ist, hilf, dass wir lernen, uns auf dich zu verlassen (nous reposer sur toi) und uns so an deinen Segen zu halten, dass wir nicht nur keine Erpressung oder andere Untat begehen, sondern uns auch von jeder schlechten Gier fernhalten und auf diese Weise lernen, in dieser Welt Armut zu erdulden, indem wir innern Frieden und Ruhe in den geistlichen Reichtümern finden, die du uns durch das Evangelium bietest..."
(Leçons sur les douze petits prophètes, p.643, zitiert bei Biéler, op.cit. 306; nach L. Vischer, Reich, bevor wir geboren wurden)

„Allmächtiger Gott! Wir sind ferne von dir auf der Pilgerschaft; so wollest du uns verleihen, dass wir dennoch, durch dein Wort unterwiesen, den rechten Weg innehalten, auf dem wir zu dir kommen sollen. Gib du uns, dass wir im Glauben das betrachten, was uns verborgen ist, damit wir an dir allein hangen und solchermaßen allein auf deine Vorsehung uns verlassen, so dass wir fest daran glauben, dass du für unser Leben und Heil sorgst und wir deshalb in Sicherheit sind – auf dass wir, wenn uns allerlei Sturmwind umtreiben will, dennoch in sicherer Ruhe bleiben, bis wir endlich jene selige, ewige Ruhe genießen dürfen, die du uns bereitet hast im Himmel durch Christus, unsern Herrn. Amen.“
Im Anschluss an Ez 1,24

„Allmächtiger Gott! Du hast uns in deiner unergründlichen Güte solcher Ehre gewürdigt, das du uns, nachdem du in der Person deines eingeborenen Sohnes zur Erde herabgestiegen bist, täglich nahe erscheinst in deinem Evangelium, in welchem wir dein lebendiges Bild erschauen. So wollest du uns schenken, dass wir solche große Wohltat nicht zu vorwitzigen Grübeleien missbrauchen, sondern wahrhaftig in deine Herrlichkeit umgestaltet werden und so mehr und mehr fortschreiten in der Erneuerung unseres Sinnes und unseres ganzen Lebens, bis dass wir endlich zu seiner seligen, ewigen Herrlichkeit versammelt werden, die uns durch deinen eingeborenen Sohn zuteil geworden ist, unsern Herrn. Amen.“
Im Anschluss an Ez 1,28

„Du hast dich, allmächtiger Gott, in Gnaden so nahe zu uns herabgelassen, dass wir auch wiederum begehren sollen, zu dir zu nahen und in solcher festen und heiligen Gemeinschaft mit dir zu bleiben. So schenke uns denn auch, dass wir bei dem rechtschaffenden Gottesdienst verharren, den du uns in deinem Worte vorschreibst, und dabei auch deine Wohltaten an uns zunehmen, bis dass du uns zu aller Fülle führest, da du uns versammelst in dein himmlisches Reich, durch Christus, unseren Herrn. Amen.“
Im Anschluss an Ez 9,4

„Allmächtiger Gott! Deiner Hände Werk und Gebild sind wir und wissen wohl, dass wir allein in dir weben und sind. So verleihe uns denn, dass wir uns dir unterwerfen und dass wir nicht allein von deiner verborgenen Vorsehung regiert werden, sondern offenbar werde, dass wir dir gerne nachfolgen und willig sind, wie es Kinder sein sollen, auf dass wir deinen Namen auf Erden trachten zu verherrlichen, bis wir dahin kommen, dass wir jenes selige Erbe genießen, welches uns bewahrt wird im Himmel und Christus, unseren Herrn. Amen.“
Im Anschluss an Ez 910,17


Barbara Schenck
Ein Zitatenschatz

Worte über und rund ums Gebet, "der vornehmsten Übung des Glaubens", eines "Verkehrs des Menschen mit Gott", einer "vertrauten Unterredung des Frommen mit Gott" (Johannes Calvin) „Christ sein und Beten ist ein und dasselbe, eine Sache, die nicht unserer Laune ausgeliefert werden kann. Das ist ein Lebensbedürfnis, eine Art notwendiger Atmung, um zu leben.“ (Karl Barth).