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Die Institutio online Das "Hauptwerk" Johannes Calvins, die Institutio christianae religionis, auf Deutsch: Unterricht in der christlichen Religion, Fassung von 1559, übersetzt 1955 von Otto Weber.

Das Leben Johannes Calvins und seine Theologie kurz und bündig
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Ostermontag - Lukas 24,13-35: Und fing an bei Mose

von Johannes Calvin

"Darum müssen auch heute noch Mose und die Propheten als Vorläufer für uns wichtig sein, damit Christus uns durchs Evangelium offenbar wird. Es ist wichtig, die Leser daran zu erinnern, damit sie nicht Schwärmern ihr Ohr leihen, die durch Beiseitelassen von Gesetz und Propheten das Evangelium in gottloser Weise verstümmeln."

13 Und siehe, zwei von ihnen gingen an demselben Tag in einen Ort, der lag von Jerusalem bei zwei Stunden Wegs; des Name heißt Emmaus. 14 Und sie redeten miteinander von allen diesen Geschichten. 15 Und es geschah, da sie so redeten und besprachen sich miteinander, da nahte sich Jesus selbst und ging mit ihnen. 16 Aber ihre Augen wurden gehalten, dass sie ihn nicht erkannten. 17 Er sprach aber zu ihnen: Was sind das für Reden, die ihr zwischen euch handelt unterwegs? Da blieben sie traurig stehen. 18 Und der eine, mit Namen Kleopas, antwortete und sprach zu ihm: Bist du allein unter den Fremdlingen zu Jerusalem, der nicht wisse, was in diesen Tagen darin geschehen ist? 19 Und er sprach zu ihnen: Was denn? Sie aber sprachen zu ihm: Das von Jesus von Nazareth, welcher war ein Prophet, mächtig von Taten und Worten vor Gott und allem Volk, 20 wie ihn unsere Hohepriester und Obersten überantwortet haben zur Verdammnis des Todes und gekreuzigt. 21 Wir aber hofften, er sei es, der Israel erlösen würde. Und über das alles ist heute der dritte Tag, dass solches geschehen ist. 22 Auch haben uns erschreckt etliche Frauen aus unserer Mitte; die sind frühe bei dem Grab gewesen, 23 haben sein Leib nicht g3funden, kommen und sagen, sie haben eine Erscheinung von Engeln gesehen, welche sagen, er lebe. 24 Und etliche unter uns gingen hin zum Grab und fanden`s so, wie die Frauen sagten; aber ihn sahen sie nicht. 25 Und er sprach zu ihnen: O ihr Toren und trägen Herzens, zu glauben alle dem, was die Propheten geredet haben! 26 Mußte nicht Ch5ristus solches leiden und zu seiner Herrlichkeit eingehen? 27 Und fing an bei Mose und allen Propheten und legte ihnen die ganze Schrift aus, was darin von ihm gesagt war. 28 Und sie kamen nahe zu dem Ort, da sie hingingen. 29 Und sie nötigten ihn und sprachen: Bleibe bei uns; denn es will Abend werden, und der Tag hat sich geneigt. Und er ging hinein, bei ihnen zu bleiben.30 Und es geschah, da er mit ihnen zu Tische saß, nahm er das Brot, dankte, brach`s und gab`s ihnen.

Luk. 24,13. „Und siehe, zwei von ihnen.“ Obwohl Markus diese Geschichte nur kurz berührt, Matthäus und Johannes aber sie mit keinem Wort erwähnen, berichtet Lukas sie nicht umsonst so ausführlich, da ihre Kenntnis besonders nützlich ist und die Geschichte es wert war, daß man sich daran erinnerte. Ich habe schon öfter darauf hingewiesen, daß der Geist Gottes den einzelnen Evangelisten ihre Aufgabe gut zugeteilt hat, damit wir, was in einem oder zweien nicht steht, aus den andern lernen können. Denn es werden auch mehrere Er-scheinungen, die Johannes erwähnt, bei unseren drei Evangelisten mit Stillschweigen übergangen. Bevor ich jedoch auf die Einzelheiten eingehe, wird es sich lohnen, im allgemeinen vorauszuschicken, daß diese beiden vom Herrn zu Zeugen erwählt wurden, nicht um die Apostel zu überzeugen, daß er auferstanden sei, sondern um ihnen ihre eigene Trägheit zu beweisen. Aber wenn sie auch zuerst mit ihrem Zeugnis nichts ausgerichtet haben, so erhielt es doch, nachdem andere Umstände mit dazu beitrugen, bei den Aposteln später sein gebührendes Gewicht. Wer sie jedoch gewesen sind, bleibt unsicher, außer daß man aus dem Namen des einen, den Lukas gleich darauf Kleopas nennt, schließen darf, daß sie nicht zu den Elfen gehört haben. Emmaus war ein altes, nicht unberühmtes Städtchen, das die Römer später Nikopolis nannten; es war nicht weit von Jerusalem entfernt, da sechzig Stadien nur 7400 Doppelschritte (etwa 11 km) ausmachen. Doch wird dieser Ort von Lukas nicht wegen seiner Berühmtheit, sondern als Bestätigung für die Begebenheit angegeben.
Luk. 24,14. „Und sie redeten miteinander.“ Es bedeutete ein Zeichen ihrer Frömmigkeit, daß sie ihren Glauben an Christus, wie schwach und gering er auch gewesen sein mag, irgendwie zu stärken versuchten; denn darauf lief ihr Gespräch doch hinaus, daß sie der Anstößigkeit des Kreuzes die Verehrung für den Meister wie einen Schild entgegenhalten wollten. Obgleich sie jedoch in ihrer Unterhaltung und dem Gespräch eine tadelnswerte Unwissenheit an den Tag legen - denn sie sind, obwohl sie vorher von der kommenden Auferstehung Christi unterrichtet worden waren, bei der Kunde davon völlig bestürzt -, bot ihre Lernbereitschaft Christus doch einen Weg, ihren Irrtum auszuräumen. Denn viele erheben unter viel Aufwand Fragen, weil es ihr Ziel ist, die Wahrheit mutwillig zu verachten; Menschen aber, denen es am Herzen liegt, die Wahrheit willig anzunehmen, verschafft ihre fromme Lernbereitschaft bei Gott die Gnade - mögen sie auch bei den geringsten Einwürfen noch schwanken und sich bei leichten Bedenken noch aufhalten -, daß Gott gewissermaßen seine Hand ausstreckt und sie zur festen Gewißheit führt, daß sie aufhören zu zweifeln. Jedenfalls ist immer festzuhalten, wenn wir Fragen über Christus stellen: Geschieht es in demütiger Bereitwilligkeit zu lernen, dann stellt ihm die Tür offen, uns zu helfen, ja, wir ziehen ihn sozusagen selbst als unseren Lehrer herbei, während unheilige Menschen mit ihrem unreinen Gerede ihn weit von sich wegtreiben.
Luk. 24,10. „Aber ihre Augen wurden gehalten.“ Das bezeugt der Evangelist ausdrücklich darum, damit nicht jemand auf die Idee komme, die Gestalt des Leibes Christi habe sich verändert. Wie sehr also Christus der alte blieb, wurde er trotzdem nicht erkannt, weil die Augen derer, die ihn sahen, befangen waren; damit schwindet jeder Verdacht einer Sinnestäuschung oder Einbildung. Wir lernen jedoch daraus, wie schwach all unsere Sinne in uns sind, daß Augen und Ohren ihre Dienste versagen, wenn ihnen ihre Fälligkeit nicht beständig vom Himmel her verliehen wird. Zwar sind unsere Glieder von Natur mit ihren Gaben ausgestattet; damit wir aber besser verstehen, daß sie uns nur auf Widerruf gewährt sind, behält Gott die Fähigkeit, sie auszunutzen, in seiner Hand, so daß wir selbst das Hören unserer Ohren und das Sehen unserer Augen zu seinen täglichen Wohltaten rechnen müssen; denn wenn er nicht jeden Augenblick unsere Sinne lebendig erhält, wird ihre ganze Kraft bald dahin sein. Ich gebe zwar zu, daß unsere Sinne oft nicht so gehalten werden, wie es damals geschah, daß sie sich angesichts einer Gestalt so grob täuschen; aber an diesem einen Beispiel zeigt Gott, daß es bei ihm steht, alle Fähigkeiten zu leiten, die er dem Menschen verliehen hat, damit wir wissen, daß unsere ganze Natur seinem Willen unterworfen ist. Wenn schon unsere leiblichen Augen, die doch nun wirklich zum Sehen da sind, immer, wenn es Gott gefällt, so gehalten werden, daß sie vor ihnen stehende Gestalten nicht erkennen, hätten unsere geistigen Sinne wohl auch keine größere Sehschärfe, selbst wenn sie noch ihre ursprüngliche Kraft besäßen; nun sind sie jedoch in jener elenden Verderbnis, nachdem sie ihr Licht verloren haben, zahllosen Täuschungen unterworfen und mit solcher groben Schwäche belastet, daß sie nichts als irren können, wie das ja auch immer wieder geschieht. Wenn wir aber jemals Wahrheit und Lüge richtig unterscheiden können, so stammt das nicht aus der Klarheit unseres Verstandes, sondern aus der Weisheit des Heiligen Geistes. Vor allem aber zeigt sich unsere Schwäche beim Anschauen himmlischer Dinge, denn dort halten wir nicht nur falschen Schein für die Wahrheit, sondern wir verkehren auch das helle Licht in Finsternis.
Luk. 24,17. „Was sind das für Reden, die ihr zwischen euch handelt?“ Wir spüren, daß Christus das, was er dort vor aller Augen getan hat, im verborgenen noch täglich an uns tut, daß er sich nämlich von sich aus zu unserer Unterweisung anbietet. Aus der Antwort des Kleopas wird übrigens noch deutlicher, was ich vorhin sagte, nämlich, wie bekümmert und bestürzt die beiden Jünger wegen der Auferstehung Christi waren, dachten sie doch mit Ehrfurcht an seine Lehre; sie standen also keineswegs in Gefahr abzufallen. Denn sie warten nicht ab, bis Christus ihnen mit seiner Offenbarung zuvorkommt oder bis jener Wanderer, wer er auch sein mag, ehrenvoll von ihm spricht, sondern Kleopas schenkt vielmehr auch diesem unbekannten Mann einige Strahlen von dem schwachen spärlichen Licht, die das Herz dieses Wanderers auch etwas hätten erleuchten können, wenn er überhaupt nichts von den Vorgängen gewußt hätte. Christi Name war damals so verhaßt und überall berüchtigt, daß es nicht geraten war, ehrenvoll von ihm zu reden. Er aber achtet nicht auf den Haß, sondern nennt ihn einen Propheten Gottes und bekennt sich als einen seiner Jünger. Wenn auch dieser Titel „Prophet" weit hinter der göttlichen Majestät Christi zurückbleibt, verdient doch auch diese geringe Ehrung Lob, da Kleopas doch nur Jünger für Christus werben will, die sich seinem Evangelium unterwerfen. Fraglich ist jedoch, ob Kleopas aus eigener Unwissenheit weniger ehrenvoll von Christus sprach, als es sich gehört hätte, oder ob er mit bekannteren Anfangsgründen beginnen wollte, um nachher Schritt für Schritt weiterzugehen. Jedenfalls rechnet er kurz darauf Christus nicht mehr nur noch einfach zu den Propheten, sondern sagt, er und andere hätten an ihn als an den Erlöser geglaubt.
Luk. 24,19. „Ein Prophet, mächtig von Taten und Worten.“ Fast die gleichen Worte legt Lukas (vgl. Apg. 7,22) Stephanus in den Mund, als dieser Mose preist und sagt: „Er war mäduig in Worten und Werken." Hier aber fragt sich, ob Christus „mächtig an Taten" genannt wird wegen seiner Wunder, was dann etwa heißen würde, er war mit göttlichen Kräften ausgerüstet, die ihn als einen Gesandten vom Himmel erwiesen, oder ob der Sinn allgemeiner gehalten ist: er war hervorragend sowohl durch seine Fähigkeit zu lehren als durch die Heiligkeit seines Lebens und seine herrlichen Gaben. Mir sagt diese letztere Auffassung mehr zu. Auch der Zusatz vor Gott und allem Volk ist nicht überflüssig; denn er bedeutet, Christi Besonderheit sei den Menschen so deutlich bezeugt und von ihnen durch klare Beweise so gut erkannt worden, daß man dabei nicht mehr an Täuschung und leeres Gepränge denken konnte. Und hieraus können wir entnehmen, was man sich unter einem wahren Propheten vorstellte, nämlich wer mit seinen Worten auch kraftvolle Werke verband und nicht nur begehrte, unter den Menschen hervorzuragen, sondern auch vor Gottes Augen aufrichtig zu leben.
Luk. 24,21. „Wir aber hofften, er sei es, der Israel erlösen würde.“ Aus dem Zusammenhang wird sich noch ergeben, daß die Hoffnung, die sie auf Christus gesetzt hatten, doch nicht ganz erloschen war, obgleich diese Worte zunächst so zu klingen scheinen. Das kommt daher, daß Kleopas gerade von der Verurteilung Christi durch die Obersten der Gemeinde erzählt hatte, was einen Menschen, der noch keine Ahnung vom Evangelium hatte, befremden mußte; dieser Anstößigkeit stellt Kleopas nun die Hoffnung auf die Erlösung gegenüber. Und wenn auch die folgenden Worte zeigen, daß er nur noch zaghaft und schwankend an dieser Hoffnung festhält, trägt er doch eifrig alles zusammen, was diese Hoffnung stützen könnte. Denn daß heute der dritte Tag ist, erwähnt er doch offenbar nur darum, weil der Herr verheißen hatte, er werde nach drei Tagen auferstehen. Wenn er darauf (24,22 ff.) erzählt, die Frauen hätten den Leib Christi nicht gefunden, aber ein Gesicht von Engeln gehabt, und auch, was die Frauen vom leeren Grab berichtet hätten, sei durch das Zeugnis der Männer bestätigt worden, so läuft das im Ganzen auf die Aussage hinaus, daß Christus auferstanden sei. So sucht der fromme, zwischen Glauben und Furcht schwankende Mann alle Trostgründe zusammen und kämpft, so männlich er kann, gegen seine Furcht.
Luk. 24,23. „Und er sprach zu ihnen: O ihr Toren und trägen Herzens.“ Dieser Vorwurf scheint für einen schwachen Menschen zu scharf und hart zu sein; wer aber alle Umstände recht bedenkt, wird leicht einsehen, daß der Herr die Jünger, auf die er seine tägliche Mühe so übel und beinahe ohne Ergebnis verwandt hatte, nicht ohne Grund so rauh anfährt. Denn wir müssen beachten, daß das, was hier gesagt wird, nicht nur diesen beiden gilt, sondern daß Christus ihnen den gemeinsamen Fehler vorhält, damit später auch die übrigen Anhänger es aus ihrem Munde vernehmen. Immer wenn Christus früher von seinem Tod zu ihnen gesprochen hatte, hatte er auch von dem neuen geistlichen Leben geredet und seine Lehre durch die Weissagungen der Propheten gefestigt; aber er hatte wie zu tauben Leuten, ja, besser noch, wie zu Klötzen und Steinen gesprochen: von tödlichem Schrecken getroffen, wenden sie sich in alle Himmelsrichtungen. Dieses Schwanken schreibt er also mit Recht ihrer Torheit zu, und als deren Ursache nennt er ihre Trägheit, daß sie nicht bereitwilliger waren zu glauben. Aber nicht nur das wirft er ihnen vor, daß sie, obwohl er ihnen doch ein ausgezeichneter Lehrmeister war, zu träge zum Lernen waren, sondern auch, daß sie auf die Aussprüche der Propheten nicht geachtet haben. Ihr Stumpfsinn sei also nicht zu entschuldigen, sondern es liege ganz allein an ihnen, da die Lehre der Propheten sowohl an sich schon klar und ihnen außerdem noch gründlich ausgelegt worden sei. So tragen auch heute noch die meisten Menschen die Schuld für ihre Unwissenheit selbst, weil sie ungelehrig und störrisch sind. Beachten wir, daß Christus, um seine allzu schläfrigen Jünger aufzuwecken, mit dem Tadel beginnt. Denn so müssen Leute angetrieben werden, die sich als steif und träge erweisen.
Luk. 24,26. „Mußte nicht Christus solches leiden?“ Zweifellos sprach der Herr jetzt von dem Amt des Messias, wie es die Propheten beschrieben haben, damit den Jüngern der Tod am Kreuz nicht anstößig vorkäme; und auf dem drei bis vierstündigen Weg war Zeit genug zu einer ausführlichen Auslegung. Er hat also nicht nur mit drei Worten versichert, daß Christus habe leiden müssen, sondern er hat ausführlich dargelegt, daß er dazu gesandt wurde, um durch das Opfer seines Todes die Sünden der Welt zu versöhnen und ein Fluchopfer zu werden, um den Fluch wegzunehmen und durch seine Verurteilung die Unreinheit anderer abzuwaschen. Lukas bringt diesen Ausspruch in Form einer Frage, um ihm mehr Nachdruck zu verleihen, woraus folgt, daß die Notwendigkeit seines Todes mit Gründen aufgezeigt wurde. Kurz, die Jünger lassen sich verkehrterweise durch den Tod ihres Meisters verwirren, ohne den er das Amt des Christus nicht erfüllen konnte, da das Hauptstück seines Erlösungswerkes seine Opferung war; auf diese Weise verschließt man Christus nämlich die Tür, in seine Königsherrschaft einzutreten. Das ist sorgfältig zu beachten. Denn da man Christus seine Ehre vorenthält, wenn man ihn nicht als das Opfer für unsere Sünden anerkennt, so war jene Entäußerung (Phil. 2, 7), aus der der Erlöser aufstieg, für ihn der einzige Weg zu seiner Herrlichkeit. Audi heute noch beobachten wir viele unter uns, die diese Reihenfolge nicht einsehen und sich an Christus versündigen; denn aus der Menge derer, die Christus ehrenvoll als ihren König preisen und ihn in den Himmel erheben, denkt kaum der zehnte Teil an die Gnade, die er uns durch seinen Tod erwiesen hat.
Luk. 24,27. „Und fing an bei Mose.“ Diese Stelle zeigt, auf welche Weise sich Christus uns durchs Evangelium offenbart, nämlich so, daß die Kenntnis von ihm durch das Gesetz und die Propheten beleuchtet wird. Denn niemals gab es einen geschickteren und besseren Lehrer des Evangeliums als den Herrn selbst, und ihn sehen wir den Beweis für seine Lehre aus dem Gesetz und den Propheten entnehmen. Die Behauptung, Christus habe nur mit den Anfangsgründen begonnen, um seine Jünger allmählich zum vollkommenen Evangelium hinüberzuleiten und dann die Propheten beiseite zu schieben, läßt sich leicht widerlegen: Kurz darauf heißt es (24, 45), daß Christus allen Aposteln das Verständnis öffnete, daß sie die Schrift verstünden, jedoch nicht, daß sie ohne die Hilfe des Gesetzes einsichtig würden. Darum müssen auch heute noch Mose und die Propheten als Vorläufer für uns wichtig sein, damit Christus uns durchs Evangelium offenbar wird. Es ist wichtig, die Leser daran zu erinnern, damit sie nicht Schwärmern ihr Ohr leihen, die durch Beiseitelassen von Gesetz und Propheten das Evangelium in gottloser Weise verstümmeln. Gott will, daß alles herangezogen wird, was jemals über seinen Sohn bezeugt wurde. Wie aber das, was überall im Gesetz und den Propheten über Christus steht, auf ihn zu beziehen ist, das auseinanderzusetzen ist hier nicht der Ort. Es genügt, kurz festzustellen, daß Christus nicht umsonst das Ende des Gesetzes (Röm. 10,4) genannt wird. Denn wie dunkel auch und von ferne Mose ihn mehr als einen Schattenriß als ein klares Bild gezeichnet hat, so ist doch unbestreitbar, daß der Bund, den Gott mit den heiligen Vätern geschlossen hat, vergehen und ungültig werden muß, wenn nicht in dem Geschlecht Abrahams ein Haupt hervorragt, unter dem das Volk zu einem Leib zusammenwachsen soll. Weiter, wenn Gott befohlen hat, die Stiftshütte und die Zeremonien nach dem himmlischen Vorbild (vgl. Ex. 25,8.9) einzurichten, so folgt daraus, daß die Opfer und alle Tempelriten ein leeres nutzloses Spiel wären, wenn ihnen nicht von anderswoher Wahrheit zukäme. Das wird im Hebräerbrief (vgl. 9,1 ff.) näher ausgeführt, wo es heißt, die sichtbaren Zeremonien des Gesetzes seien Schattenbilder geistlicher Dinge und in dem ganzen gesetzlichen Priestertum, in den Opfern und in der Form des Heiligtums sei Christus zu suchen. Sehr klug hat Bucer irgendwo die Vermutung geäußert, die Juden hätten in dieser Unabgeschlossenheit eine sichere Methode gehabt, die Schrift darzulegen, wie sie ihnen von den Vätern überkommen war. Ich will jedoch nicht unsicheren Annahmen folgen, sondern begnüge mich mit den klaren einfachen Überlegungen, wie sie überall bei den Propheten angestellt werden, die besonders geeignete Ausleger des Gesetzes waren. Man findet darum Christus mit Recht im Gesetz, wenn man bedenkt, daß der von Gott mit den Vätern geschlossene Bund einen Mittler zur Grundlage hat, daß das Heiligtum, in dem Gott die Gegenwart seiner Gnade bezeugte, mit Blut geheiligt worden war, daß das Gesetz selbst mit seinen Verheißungen durch Besprengung mit Blut als unverletzlich dargestellt worden war, daß es nur einen aus dem ganzen Volk erwählten Hohenpriester gab, der in aller Namen vor Gottes Angesicht hintreten sollte, nicht als irgendeiner von den Sterblichen, sondern in heiligem Gewand, und daß es für die Menschen keine Hoffnung auf Versöhnung mit Gott gab als durch Darbringung eines Opfertieres. Dahin gehört auch die sehr bedeutsame Weissagung von der beständigen Fortdauer der Königsherrschaft im Stamm Juda (vgl. Gen. 49,10). Die Propheten ihrerseits haben, wie schon erwähnt, den Mittler sehr viel deutlicher abgebildet, selbst jedoch ihre erste Kenntnis von ihm aus Mose gezogen; denn ihnen war keine andere Aufgabe gestellt, als die Erinnerung an den Bund zu erneuern, den geistlichen Gottesdienst deutlicher aufzuzeigen, die Hoffnung auf Errettung auf den Mittler Zu gründen und auch die Art und Weise der Versöhnung deutlicher zu machen. Da es jedoch Gott gefallen hatte, die volle Offenbarung bis zum Kommen seines Sohnes aufzuschieben, wurde eine Auslegung nicht überflüssig.
Luk. 24,28. „Und sie kamen nahe zu dem Ort.“ Warum einige Ausleger hier an einen andern Ort denken als Emmaus, ist nicht einzusehen; denn der Weg dorthin war nicht so lang, daß man in einem näher gelegenen Rasthaus hätte ausruhen müssen. Wir wissen, daß man 7000 Doppelschritte (ungefähr 11 km), auch wenn man sehr langsam geht, in gut vier Stunden zurücklegen kann. Darum bin ich sicher, daß Christus bis Emmaus mitgegangen ist. Wenn man fragt, ob denn zu dem, der die ewige Wahrheit Gottes darstellt, eine Verstellung paßt, antworte ich: Der Sohn Gottes war nicht dazu verpflichtet, alle seine Absichten offen darzulegen. Da aber Verstellung eine Art von Lüge ist, ist der Knoten noch nicht gelöst, zumal sich viele zur Gestattung einer Lüge besonders auf dieses Beispiel beziehen. Ich aber antworte, daß es sich hier genauso wenig um eine Lüge handelt, wenn Christus den Anschein erweckt, als wolle er weitergehen, wie wenn er überhaupt in der Gestalt eines Wanderers auftritt; beides steht auf gleicher Stufe. Wie Christus die Augen derer, mit denen er redete, eine Zeitlang verhüllte, so daß sie ihn in der Gestalt einer fremden Person als einen gewöhnlichen Wanderer ansahen, so tat er einen Augenblick lang so, als wolle er weitergehen, nicht um etwas anderes vorzugeben, als er wirklich plante, sondern um die Art seines Weggangs zu verbergen. Denn niemand wird leugnen, daß er weitergegangen ist, weil er sich damals ganz allgemein dem Verkehr mit Menschen entzog. So hat er duch dieses Vorgeben seine Jünger nicht getäuscht, sondern sie nur ein wenig hingehalten, bis die rechte Zeit dazu da war, sich ihnen zu offenbaren. Darum ist völlig auf dem Holzweg, wer Christus zum Patron der Lüge macht; es ist uns ebensowenig erlaubt, unter Berufung auf sein Beispiel etwas zu erdichten, wie wir seine göttliche Kraft nachäffen können, indem wir die Augen von sehenden Menschen verschließen. Darum ist es am sichersten, auf dem vorgeschriebenen Weg zu bleiben und wahrheitsgemäß und aufrichtig zu reden; nicht als ob der Herr selbst jemals vom Gesetz seines Vaters abgewichen wäre, wohl aber trug er, ohne buchstäblich Vorschriften zu brauchen, die richtige Auffassung des Gesetzes in sich; die Schwachheit unseres Verständnisses jedoch braucht einen äußeren Zügel.
Luk. 24,30. „Nahm er das Brot.“ Augustin und mit ihm sehr viele andere haben gemeint, Christus habe das Brot nicht als Speise weitergereicht, sondern als heiliges Symbol seines Leibes. Und mit dieser Auffassung wird es verständlich, daß der Herr erst bei dem geistlichen Verstehen des Mahles erkannt wurde, denn solange die Jünger ihn mit ihren leiblichen Augen anschauten, hielten sie ihn für den Fremden. Aber da diese Vermutung von keinerlei Wahrscheinlichkeit gestützt wird, fasse ich die Worte des Lukas einfacher auf, nämlich daß Christus das Brot in seine Hände nahm und in seiner Weise dafür dankte. Offenbar aber hatte er eine besondere Art zu beten, und er wußte, daß seine Jünger durch den Umgang mit ihm daran gewöhnt waren, so daß sie bei diesem Erkennungszeichen aufwachen mußten. Wir wollen indessen aus dem Beispiel des Meisters lernen, immer wenn wir Brot essen, dem Urheber des Lebens selbst Dank dafür zu bringen, was uns von den ungläubigen Menschen unterscheidet.

31 Da wurden ihre Augen geöffnet, und sie erkannten ihn. Und er verschwand vor ihnen. 32 Und sie sprachen untereinander: Brannte nicht unser Herz in uns, da er mit uns redete auf dem Wege, als er uns die Schrift öffnete? 33 Und sie standen auf zu derselben Stunde, kehrten wieder nach Jerusalem und fanden die elf versammelt und die bei ihnen waren, 34 welche sprachen: Der Herr ist wahrhaftig auferstanden und Simon erschienen. 35 Und sie erzählten ihnen, was auf dem Wege geschehen war und wie er von ihnen erkannt wäre, als er das Brot brach.

Luk. 24,31. „Da wurden ihre Augen geöffnet.“ Aus diesen Worten sehen wir, daß an Christus keine Verwandlung stattgefunden hatte, so daß er etwa durch Veränderung seiner Gestalt die Augen der Menschen getäuscht hätte, wie sich die Dichter etwa den Proteus vorstellen, sondern es täuschten sich vielmehr die Augen derer, die ihn sahen, weil sie wie verschleiert waren. So verschwand er gleich darauf nicht darum vor ihren Augen, weil etwa sein Leib an und für sich unsichtbar geworden wäre, sondern weil Gott ihren Augen seine unterstützende Kraft entzog und sie darum ihre Schärfe verloren. Es ist aber gar nicht verwunderlich, daß Christus, sobald er erkannt war, sofort verschwand, weil sein längerer Anblick den Jüngern in keiner Weise genutzt hätte, ja, sie vielleicht, da sie mit ihren Gedanken allzusehr an der Erde hingen, auf den Wunsch verfallen wären, ihn wieder in das irdische Leben niederzuziehen. Soweit es also zur Bezeugung seiner Auferstehung nötig war, ließ Christus sich von seinen Jüngern sehen; durch sein plötzliches Verschwinden klärte er sie dann darüber auf, daß man ihn jetzt anderswo als in der Welt suchen müsse; denn die Vollendung seines neuen Lebens geschah erst in seiner Aufnahme in den Himmel.
Luk. 24,32. „Brannte nicht unser Herz?“ Daß die Jünger Christus erkannten, hatte nun auch die Folge, daß sie einen lebendigen Eindruck von der zwar vorher schon empfangenen, aber noch verborgenen und schlummernden Gnadengabe des Geistes bekamen. Denn so wirkt Gott manchmal in den Seinen, daß sie die Kraft des Heiligen Geistes, obwohl sie sie nicht entbehren, zeitweilig nicht verstehen oder wenigstens sie nicht klar erkennen, sondern sie nur ungewiß verspüren. So hatten die Jünger vorher zwar, ohne es besonders zu beachten, ein Brennen verspürt, an das sie sich jetzt erinnern: nun aber, nachdem Christus von ihnen erkannt wurde, beginnen sie, über seine Gnade nachzudenken, die sie vorher ohne Verständnis genossen hatten, und merken, wie verständnislos sie gewesen sind. Jetzt klagen sie sich selbst wegen ihrer Empfindungslosigkeit an; denn genau das wollen ihre Worte sagen: Wie war es nur möglich, daß wir ihn nicht erkannten, als er mit uns redete? Denn als er so in unsere Herzen drang, hätten wir doch merken müssen, um wen es sich handelte! Aber sie schließen nicht einfach aus diesem nackten Zeichen, daß es Christus war, weil seine Worte ihre Herzen so mächtig entzündet hatten, sondern weil er, und damit geben sie ihm die schuldige Ehre, als er mit seinem Mund sprach, zugleich auch durch die Glut seines Geistes ihre Herzen innerlich entfachte. Zwar rühmt sich auch Paulus, ihm sei das Amt des Geistes gegeben (vgl. 2. Kor. 3,8), und oft gebraucht die Schrift von den Dienern am Wort die ehrenvolle Wendung, daß sie die Herzen bekehren, den Verstand erleuchten, die Menschen erneuern, so daß sie dem Herrn reine heilige Dankopfer werden; aber damit wird nicht bezeichnet, was die Prediger selbst durch eigene Kraft leisten, sondern vielmehr, was der Herr durch sie wirkt. Bei Christus allein jedoch trifft beides zu: er redet mit seinem Mund und formt dabei die Herzen machtvoll zum Gehorsam des Glaubens. Zweifellos hat er damals den Herzen der beiden Männer ein besonderes Merkmal eingeprägt, so daß sie endlich spürten, daß seinen Worten göttliches Feuer entströmt war. Denn obwohl das Wort des Herrn immer Feuer ist (vgl. Luk. 3,16), hat sich doch damals in den Worten Christi dieses Feuer in einer eigenartigen ungewöhnlichen Weise gezeigt, so daß es ein leuchtendes Zeugnis von seiner göttlichen Macht gab; denn er allein ist es, der mit dem Heiligen Geist und mit Feuer tauft. Doch dürfen wir behalten, daß eine wirkliche Frucht der himmlischen Verkündigung, wer auch immer der Prediger sein mag, ist, daß sie das Feuer des Heiligen Geistes in den Herzen entzündet, das ebenso die Bestrebungen des Fleisches ausschmilzt und läutert, ja, geradezu ausbrennt, wie es eine brennende Liebe zu Gott entfacht und den ganzen Menschen gleichsam in seiner Flamme zum Himmel reißt.
Luk. 24,33. „Und sie standen auf zu derselben Stunde.“ Da es immerhin Nacht war und die beiden Männer sich in einiger Entfernung von Jerusalem befanden, wird daraus klar, wie sehr sie darauf brannten, ihren Mitjüngern diese Botschaft zu überbringen. Da sie die Herberge erst gegen Abend betraten, hat sich der Herr ihnen wahrscheinlich nicht vor Einbruch der Nacht offenbart. Obwohl nun ein Marsch in der Nacht durchaus nicht angenehm war, stehen sie doch im gleichen Augenblick auf und laufen schnell nach Jerusalem zurück. Und wenn sie nun erst am folgenden Tag gegangen wären, hätte ihr Zögern sicher Mißtrauen erweckt; nun aber, da sie lieber ihre Nachtruhe darangeben, um die Apostel möglichst schnell an ihrer Freude teilhaben zu lassen, trägt diese Eile zur Glaubwürdigkeit ihres Berichtes nur bei. Wenn nun Lukas sagt, sie seien zu derselben Stunde aufgestanden, so sind sie wahrscheinlich gegen Mitternacht bei den Jüngern angekommen. Derselbe Lukas bezeugt nun auch, daß diese zu der gleichen Zeit im Gespräch beieinander saßen. Daraus erkennen wir ihre Sorge und ihren glühenden Eifer, daß sie fast die ganze Nacht aufblieben und sich überall erkundigten, bis die Auferstehung Christi durch mehrfaches Zeugnis bestätigt war.
Luk. 24,34. „Welche sprachen: Der Herr ist wahrhaftig auferstanden.“ Damit deutet Lukas an, daß eben die Männer, die den Aposteln die frohe Botschaft brachten, um sie zu stärken, dafür nun von einer anderen Erscheinung Kenntnis erhielten. Ohne Zweifel hat Gott den Jüngern diese gegenseitige Stärkung als Belohnung für ihren frommen Eifer gewährt. Aus den Zeitangaben kann man entnehmen, daß Petrus nach seiner Rückkehr vom Grab bekümmert darauf gebrannt haben mag, daß Christus auch ihm sich zeige und daß der Herr ihm an demselben Tag, an dem er das Grab aufgesucht hatte, seinen Wunsch erfüllte. Darum also jener Freudengruß der Elf, man dürfe nun nicht mehr zweifeln, weil der Herr Simon erschienen sei. Das scheint jedoch mit den Worten des Markus (16,13) nicht übereinzustimmen, wonach die Elf nicht einmal diesen beiden Jüngern geglaubt hätten. Denn wie war es möglich, daß Menschen, die schon gewiß waren, nun diese neuen Zeugen verwerfen und in ihre alten Zweifel zurückfallen? Denn die Worte: „Der Herr ist wahrhaftig auferstanden" klingen doch so, als gäbe es für sie darüber gar keine Diskussion mehr. Dazu ist erstens zu sagen, daß der Evangelist hier wohl verallgemeinert: einige mögen etwas hartnäckiger oder weniger bereit zu glauben gewesen sein, und Thomas war noch widerspenstiger als die übrigen. Auch läßt sich leicht annehmen, daß ihre Überzeugung so aussah, wie sie bei aufgeregten Menschen zu sein pflegt, daß sie sich nämlich noch nicht ganz auf ruhiger Überlegung aufbaute; in einem solchen Fall stellen sich dann erfahrungsgemäß nur zu bald wieder alle möglichen Zweifel ein. Wie dem auch sei, nach Lukas steht fest, daß der größere Teil der Jünger fast wie in einer Verzückung nicht nur gern aufgenommen hat, was ihm gesagt wurde, sondern auch gegen den eigenen Unglauben ankämpfte. Denn mit dem Wörtchen wahrhaftig nehmen sie sich selbst jeden Anlaß zum Zweifeln. Gleich werden wir allerdings sehen, wie sie vor Staunen und Verwunderung zum zweiten und dritten Mal wieder Bedenken bekommen.Aus: Otto Weber, Johannes Calvins Auslegung der Heiligen Schrift. 13. Band. Die Evangelienharmonie 2. Teil, Neukirchener Verlag, 1974, S. 420ff.


Achim Detmers