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Johannes Calvin 1509-2009 - Was bleibt?

Von Gerrit Noltensmeier

Calvins Siegel auf der neuen Ausgabe der Institutio

Theologische Leidenschaft und Redlichkeit - Geschwisterlichkeit in den Leitungsorganen der Kirche - heilsame Konzentration des Herzens und des Denkens in einer Konfession mit Migrationshintergrund – Singebewegung gegen die Gefühlskälte des menschlichen Herzens – heiliger Eifer: ''Es ist spannend, mit Calvin ins Abseits der Moderne zu geraten. Wo alles voller Verheißung ist.''

Vortrag in der Hugenottenkirche Erlangen am 1. November 2009

In dem schönen Buch von Heiko A. Oberman "Zwei Reformationen" finde ich den Hinweis, ein bedeutender reformierter Theologe sei einst gefragt worden, was er von Hermann Friedrich Kohlbrügge, dem großen Prediger der niederländisch-reformierten Gemeinde in Elberfeld, halte. Der habe lakonisch geantwortet: "Kohlbrügge ist wie ein heißes Bad; es ist sehr gesund es zu nehmen, doch darf man darin nicht zu lange bleiben." Und Oberman fügt hinzu: "Wenn ich mich nicht irre, wird jeder wahre Calvinist bereit sein, genau dasselbe Bild auch auf Johannes Calvin anzuwenden, selbst wenn ich hier eine etwas längere Anwendung empfehlen würde." Nebenbei gesagt: Ich zucke immer noch ein wenig zusammen, wenn man von den Calvinisten spricht. Calvin hätte diese Bezeichnung nicht ertragen. Und ursprünglich haben die Gegner Calvins seine Anhänger so genannt. Calvinisten sind wir nicht. Ansonsten aber gab das Calvin-Jahr 2009 Gelegenheit zu der genannten "längeren Anwendung". Sie bleibt gewiss nicht ohne Folgen. Nun liegen Materialien, Artikel, Bücher, Medien, Präsentationen in großer Zahl vor. Es hat tausende von Veranstaltungen gegeben. Auch in Zeiten, die schnelllebig und vergesslich sind, wird manches nachwirken.
Manches Vorurteil wurde kritisch gesichtet, Klischees, durch die Jahrhunderte transportiert, wurde revidiert. Andere hielten sich hartnäckig. Wie war es denn nun mit Servet und den Ketzerverbrennungen und dem Verdacht, es grassierten in Genf und andernorts Unduldsamkeit und Intoleranz, obwohl Calvin nicht direkt an der Verurteilung beteiligt war und sie halt alle fehlsame Kinder ihrer Zeit waren!?
Und mit der Prädestination und der Vermutung, die menschliche Freiheit würde einem blinden Geschick unterworfen, und es war doch der Trost für die angefochtenen Gewissen in der höchsten Verunsicherung des Lebens gemeint?!
Wie war es denn mit der Kirchenzucht und dem Spitzelsystem der Denunzianten, das den Atem nimmt, und es war doch – zunächst - die nachgehende Seelsorge, die Aufmerksamkeit für Menschen gemeint, die in den Wirren der Zeit manchen Halt verloren hatten?!
Nichts sollte beschönigt werden. In kritischem Freimut fragten wir nach Orientierung und Prägung. Und: Das "heiße Bad" hat uns gut getan. Und gut war es auch, dass wir dieses Jahr gemeinsam geplant, getragen und durchgeführt haben: Evangelische Christen in Deutschland und anderswo, die den Reichtum eines großen Erbes füreinander erschließen und miteinander, keineswegs mehr gewillt, dieses Erbe eigensüchtig zu hüten und in konfessionalistischer Enge gegen andere zu wenden.

Was bleibt?
Ich halte heute Abend fünf Perspektiven fest, nicht willkürlich und beliebig gewählt, aber ganz gewiss in subjektiver Auswahl und persönlicher Zuspitzung.

1. Wir sind einem großen Theologen begegnet,
der in der zweiten Generation der Reformation zu bündeln und zu ordnen suchte, was sich an Stoffen und Impulsen, Gedanken und Materialien im Anbruch der Reformation ergeben hatte. Er tat dies mit höchster Aufmerksamkeit für das biblische Zeugnis, mit systematischer Kraft und Disziplin, scharfsinnig und hellsichtig. Ein Theologe, der die Frage nach der Erkenntnis Gottes und des Menschen verschränkte, als solle Gott nicht ohne den Menschen gedacht und geglaubt werden, als solle der Mensch vor Gott seine Würde und sein Geheimnis bekommen und behalten - allem wissenden und darin herrischen Zugriff entzogen.
Die Theologie der Schöpfung hat er entfaltet und damit eine Einweisung in eine theologische Ökologie gegeben. Dabei fand er Formulierungen in poetischer Schönheit, überraschend zart: "Die Vögel besangen Gott, die Tiere riefen ihn an, die Elemente zitterten vor ihm, die Flüsse und Quellen warfen ihm zärtliche Blicke zu, die Gräser und Blumen lächelten ihn an." - "Mundus theatrum gloriae dei."
Die Ethik hat er zum Gegenstand der Theologie gemacht, er fragte nach den Früchten des Glaubens im Leben aus Dankbarkeit. Da gelten Disziplin, Verantwortlichkeit, vernünftiges Wirtschaften und die Investition der Gaben des Lebens. Doch nie war der materielle, wirtschaftliche Erfolg Indiz für den Segen Gottes. Wie hätte er sonst die Armen als den Schatz der Kirche begreifen und die Flüchtlinge als das Volk Gottes beschreiben können.
Was bleibt? Theologische Leidenschaft und Redlichkeit, der Ruf zur Sache in der Heiligen Schrift, zur gedanklichen Klarheit in den Welten des Glaubens, niemals weltlos. Ob uns das in Zeiten der Beliebigkeit, in denen Bauchgefühl und Subjektivität auch in vermeintlicher Theologie bestimmend scheinen, weiterhilft, aus mancher Sackgasse befreit, in der des Lebens Verbindlichkeit im Eigensinn verkommt und zu Verständigung und Verbindlichkeit nicht findet?

2. Ein Gelehrter wollte er werden. Ein Theologe der Kirche ist er geworden.
In Straßburg fand Calvin zur Kirche zurück, schreibt einer der Biographen. In Straßburg, der Stadt, von der Erasmus von Rotterdam meinte, dass hier die Weisheit Athens, die Sittsamkeit Spartas und die Disziplin Roms Hand in Hand gingen. Die Reformation vergaß der große Humanist. In Straßburg lebte Bucer. Auch er ein Theologe der Kirche. Calvin beginnt nach dem Zeugnis und Auftrag der Kirche zu fragen. Nach ihrer Gestalt und Ordnung. Nach der Leitung der Kirche. Ich halte fest: In Zeiten, in denen die Monarchen regierten und der Rat der Stadt Genf gewiss nicht die Einladung zur Demokratie verkörperte, in Zeiten, in denen der Absolutismus nicht mehr ganz fern war, entwickelte Calvin die Lehre vom gegliederten Amt, das vom Respekt vor der Fülle der Gaben des Geistes und im Widerspruch gegen ein monarchisches Leitungsprinzip in der Kirche bestimmt ist. Das presbyterial-synodale Prinzip entsteht. Und setzt sich mit der Zeit weithin durch. Gewiss braucht es auch die kritische Selbstprüfung: Wie werden Menschen denn  heute befähigt, solche leitenden Aufgaben zu übernehmen? Erleben wir auch hier heute die Verengung der Milieus, die "Verwohnzimmerung des Protestantismus", den Verschleiß im Unwesentlichen, die Selbstbeschäftigung ohne Ausstrahlung, die Genügsamkeit derer, die unter sich bleiben? Es gibt beunruhigende Signale, die in diese Richtung weisen. Und doch: Die theologische Orientierung und alle Lebenserfahrung belegen die Richtigkeit des Ansatzes: Es gilt, der Einsamkeit der Amtsträger zu wehren, das kollegiale Zusammenwirken zu fördern, einander im Irrtum zurechtzuhelfen, einander in Müdigkeit und Schwachheit zu stärken, der Engführung im Eigenen zu widerstehen. Freilich: Die Medien lieben die Personalisierung im Positiven und Negativen, lieben zumal bunt verkleidete einzelne Amtsträger. Dem Leben der Kirche aber ist die Geschwisterlichkeit in den Leitungsorganen zuträglicher.

3. Reformiert - das ist eine Konfession mit Migrationshintergrund.
Sie wissen das hier in Erlangen besonders gut. Der Reformator ist ein Migrant. Erst gegen Ende seines Lebens bekommt er Bürgerrecht in Genf. Ein Herz für die Flüchtlinge hat er sein Leben lang. "Keine andere Konfession war von Verfolgung und Flucht so stark betroffen. Diese existentielle Gefährdung und die damit verbundene Minderheitserfahrung bestimmen das Lebensgefühl und das Denken vieler Reformierter bis heute." (Wolfgang Huber)
Und das heißt?
Eine Bewegung, die alles durchzieht, scheint mir bestimmend. Einer hat gesagt: „Segelschiffe brauchen viel Wind und wenig Ballast. Eine Kirche, die vorankommen will, die Kurs und Fahrt halten will, muss sich aller Dinge entledigen, die sie daran hindern. Wie Calvin dies tat, ist am Interieur einer durchschnittlichen reformierten Kirche schnell und leicht zu erkennen und während eines Gottesdienstes in der Liturgie gut spürbar." (Selderhuis) In einer so ganz und gar undurchschnittlichen Kirche wie dieser hier [Erlangen] zumal! Das ist das Eine. Das große Aufräumen, das Entfernen des hindernden Beiwerkes - ohne den rabiaten Bildersturm. Die große Sammlung, die heilsame Konzentration des Herzens und des Denkens. Da ist zugleich die Erfahrung der Kirche in der Wüste, der Gemeinde unter dem Kreuz: Heimat, Geläufiges, Gebräuche, Riten, Gewänder - das alles wird der Gemeinde genommen. Den Schutz der irdischen Herrschaft müssen sie entbehren. So werden Mündigkeit, Selbstbestimmung unter der Souveränität Gottes angebahnt. Und schließlich wird dies die werdende Demokratie befruchten. Sie müssen fragen: Was tut not? Was ist unentbehrlich lebensnotwendig? Und verstricken sich ins Wort. Ins Wort Gottes. Das ist nicht der einzige Weg, Kirche zu leben. Exklusiv ist das nicht gemeint. Heute jedenfalls nicht. Aber armselig, kümmerlich ist solche Konzentration nicht. Es ist eine erfüllende, reiche Sammlung, eine befreiende Konzentration. Davon hat Fulbert Steffensky einst vor der EKD Synode in Leipzig und unlängst wieder in Kassel gesprochen: "Der Glaube an Gott lehrt das Misstrauen gegen die Götzen und ihre Bilder ... Wir haben in den letzten Jahren gesagt, dass wir von der Bildhaftigkeit, der inszenatorischen Fähigkeit des Katholizismus lernen müssten... Ich vermute, wir brauchen heute noch mehr das Charisma der Kargheit und das Misstrauen gegen die Augenschönheiten, die uns die reformierte Tradition lehrt." Bleiben wir dies Charisma niemandem schuldig!

4. Von den Psalmen möchte ich noch reden.
Lieder, die Gott selbst der Gemeinde in den Mund gelegt hat. So Calvin. Seufzer, Jubel, Stossgebete und reiche Liturgien. Das ganze Leben vor Gott. Biblische Lieder gereimt, ohne Auffüllung und dann vertont und schließlich gesungen. In einer Singebewegung von Geschlecht zu Geschlecht und endlich in ökumenischer Weite. Ohrwürmer? Heute nicht. Schlager der Spiritualität, Sacro Pop? Aber nein. Aber Worte von großer Schönheit und Kraft und Klänge -etwas herb, voll Sehnsucht, abgedroschen nie. Singbar. Ein Seelsorger in der Bundeswehr erzählte mir einmal, er erlebe die lutherische Liturgie wie eine Heimat, komme dort nach Hause. Ich verstehe das. Mir geht es so beim Singen der Hugenottenpsalmen, beim Singen des Genfer Psalters. Ein kirchenmusikalisches Gesamtkunstwerk von hohem Rang und mit inspirierender Kraft gehört zu unserem reichen und verpflichtenden Erbe. Ein Biograph schreibt: "Luther sang sich sicher gegen die Anfechtungen Satans. Calvin hingegen sang sich warm gegen die Gefühlskälte des menschlichen Herzens. Die beinahe unglaubliche Macht der Musik vertrieb bei Luther den Teufel aus dem Herzen und zu Calvin brachte sie Wärme." (Selderhuis) Wenn aber der Teufel vielleicht mit der Gefühlskälte unserer Herzen im Bunde ist, sind die beiden Reformatoren auch hier nicht so weit auseinander. Und niemand sage dann, die reformierten Gottesdienste seien kühl, intellektualistisch verkopft.

5. "Erstaunlich modern, dieser Calvin."
So heißt die Überschrift zu dem eindrucksvollen Vorwort des so überzeugenden Calvin-Magazins. Selten sind die Autoren der Vorworte auch für die Überschriften verantwortlich.
Modern?
So harmlos? Rechtfertigt sich das Vergangene in seiner Bedeutung dadurch, dass es Anflüge des Modernen zeigt? Calvin - so oft fremd und befremdlich. Wir ahnen, wenn wir ihn lesen und zu hören meinen, heiligen Eifer, verzehrende Leidenschaft für die Wahrheit, einen unbedingten Willen, Gott die Ehre zu geben. Nichts ist geläufig, pausbäckig. Wir treten mit ihm vor den brennenden Dornbusch in der Wüste; hören den Namen Gottes, erfahren Offenbarung und Geheimnis und erleben die Berufung eines Menschen, der zum Anwalt Gottes wird. Ein Fremder. In Genf und anderswo. Ich lese in einem großen Werk, das einem anderen großen reformierten Theologen, Karl Barth, nachspürt: „Spannungslose Zugehörigkeit wäre das Ende der Theologie. Seit je gehört die Exponiertheit und Unzugehörigkeit der Theologie - dass sie beständig in eine Art Abseits gerät - zu ihrem Wesen. Für jede Generation steht das wohl neu zur Erfahrung an." (Trowitzsch). Es ist spannend, mit Calvin ins Abseits der Moderne zu geraten. Wo alles voller Verheißung ist.

Und zum Schluss:
Abraham Kuyper hat einst gesagt:
"Erinnert euch, dass der Psalm der Freiheit nur durch den Calvinismus vom beunruhigten  Gewissen zu den Lippen fand, dass der Calvinismus uns unsere konstitutionellen Bürgerrechte eroberte und garantierte und dass gleichzeitig von Westeuropa jene mächtige Bewegung ausging, welche die Wiederbelebung von Wissenschaft und Kunst förderte, Wirtschaft und Handel neue Wege eröffnete, das häusliche und gesellschaftliche Leben beseligte, die Mittelklasse zu Ehrenpositionen aufsteigen ließ, die Philanthropie zur Blüte brachte und - mehr noch - das moralische Leben durch puritanischen Ernst erhöhte, reinigte und adelte. Und dann urteilt selbst, ob dies dazu führt, dass dieser von Gott geschenkte Calvinismus noch einen Segen und eine strahlende Hoffnung in sich birgt."
(Abraham Kuyper, Calvinism: Six Stone Foundation Lectures, Grand Rapids, Mich. 1943, S 40. Zit nach Heiko A. Oberman, Zwei Reformationen. Luther und Calvin - Alte und Neue Welt, Berlin 2003, S. 176f.)

Und wir schreiben das fort, versuchen es wenigstens:

Erinnert euch,
dass sie die Psalmen gesungen haben, Lieder der Freiheit in biblischer Bindung, spröde manchmal, doch abgedroschen nie, gehaltvoll und nicht schnell verbraucht, nein, nicht allzu gefühlig, aber voll tiefen Empfindens, von der versammelten Gemeinde gesungen und weitergegeben von Geschlecht zu Geschlecht.

Erinnert euch,
da war ein Brennen im Herzen, wenn die Worte der Heiligen Schrift Heimat waren und zugleich aufbrechen ließen ins Ungekannte und Ungeahnte, ins Neuland, verheißen und gelobt, und die Worte waren bergend und schön und immer voraus, aufgezeichnet im Buch des Lebens: eine nie versiegende Quelle von eigener Gültigkeit, Hören und Reden inspirierend, das Leben verwandelnd - versehrend und schmerzlich, tröstend und Wege weisend, und wenn sie nach der Mitte tasteten, suchten und fragten, war da ein Name: Jesus Christus, in dem sich alles erschloss.

Erinnert euch,
da war der Aufstand des Gewissens bei Müttern und Vätern des Glaubens, unangepasste Leute, das Leben haben sie gewagt um Christi willen, haben große Heimatlosigkeit auf sich genommen, die große Wanderschaft riskiert, Kirche und Gemeinde unter dem Kreuz, und die Schrift, das "portative Vaterland", führten sie mit sich.

Erinnert euch,
dass sie aufbrachen, um Gott die Ehre zu geben, vor Tyrannen nicht in die Knie zu gehen, der herrschenden Meinung nicht zu huldigen, nicht dem trügerischen Glanz des Menschenwerkes zu verfallen, nicht den Einflüsterungen von Sorge und Angst im eigenen Herzen preiszugegeben; Gott allein die Ehre - und sie spürten doch all die Verlegenheit und die Unmöglichkeit, von diesem Gott zu reden, aber das Zeugnis blieb Verpflichtung und Verheißung zugleich.

Erinnert euch also und denkt daran,
dass solcher Glaube in Kirche und Gemeinde heute lebendig ist, wenn sie sich sammelt um das Wort und am Tisch des Herrn, und viele Gaben sind bei ihnen lebendig und keins soll über das andere herrschen;

Denkt daran,
es sind Geschwister in aller Welt, unter den Ärmsten der Armen zumal, und sie suchen hierzulande Gefährten, Reformierte und Presbyterianer, suchen in der Fremde ein Stück Heimat, lebendigen Austausch mit Menschen, die Traditionen und Prägungen kennen und haben und leben wie sie...

Erinnert euch und denkt daran,
und schämt euch dessen nicht, wenn ihr hier Reichtum und Bindung erfahrt, wenn euer Herz und Denken und Tun in solcher Prägung Wegweisung und Orientierung erfuhr, und vergesst nicht, exklusiv ist es euch nie gegeben, ihr seid nur ein Zweig an einem großen Stamm, auf dem es manchmal grünt und blüht, zuzeiten wohl auch welkt - ganz wunderbar; und behaltet offene Augen und Herzen für wunderbare Schönheit, die sich ganz anders, auf anderen Zweigen, auf anderen Bäumen begibt,
schämt euch aber aller Dürftigkeit, der Unzulänglichkeit, Erstarrung und Müdigkeit, doch seid auch darin seltsam getrost.

Erinnert euch und denkt daran und an vieles andere dann auch.
Und dann urteilt selbst,
ob solche Geschichten und Prägungen, ob solche Überlieferung, Orientierung und Vergewisserung in die Geschichte verbannt werden,
ob sie Farbe, Glanz und Kraft verloren haben,
und ob es bloß ein Traum ist,
dass solches immer erneuerte Bekennen,
dass solche Konfession und Prägung der Protestanten, der Reformierten zumal,
noch Segen und strahlende Hoffnung in sich birgt.
Urteilt selbst...

 

 

Gerrit Noltensmeier auf der Hauptversammlung des Reformierten Bundes
im Oktober 2009 in Frankfurt/M.


©Gerrit Noltensmeier, Landessuperintendent i.R., Detmold; Vortrag in der Hugenottenkirche Erlangen am 1. November 2009
von Gerrit Noltensmeier

Das „Wunder der Sehnsucht“ im Psalm, die „verstörende Verunsicherung in aller Behäbigkeit“. Und in der Predigt am Reformationstag im Calvinjahr 2009 dann noch dazu: das Sehnen des Anwalts der Ehre Gottes, das „Charisma der Kargheit“ und Worte der Nobelpreisträgerin Herta Müller, gelesen als das „Entsetzen der Gottferne“ und das Sehnen im röhrenden Wohnzimmerhirsch.

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